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Tansania

Jambiani – Hinter den Kulissen Sansibars

Jambiani ist ein kleines Dorf an der Ostküste von Sansibar. Sandige Wege führen vorbei an schiefen Häusern, zwischen ihnen strahlt das satte, tropische Grün. Die Girlanden über der Straße schaffen eine fröhliche Stimmung und die Zäune aus Palmenblättern vermitteln etwas Ursprüngliches. Ausgeblichene Schilder weisen den Weg zu kleinen Läden, die frisches Obst, Snacks, Zigaretten und Mückenmittel verkaufen und im Hintergrund leuchtet der hellblaue Himmel fast komplett ohne Wolken. Während Frauen die bunten Tücher vor ihren Häusern zum Trocknen in die Sonne hängen, fahren Männer mit klapprigen Rädern über die holprigen Wege, grüßen sich begeistert und bleiben für einen kurzen Plausch stehen. Das Leben läuft hier langsamer. “Pole Pole” hört man an jeder Ecke und “Hakuna Matata”. Nur selten verirrt sich ein Tourist in diese Straßen.

George, ein junger Mann aus Jambiani, hat mich mitgenommen auf eine Tour durch sein Dorf. Stolz hat er mir das Leben hinter den Hotelkulissen gezeigt, seine Freunde vorgestellt und von den schönen und weniger schönen Seiten des Lebens auf der Trauminsel erzählt.

Die erste Station unserer Tour ist ein abgelegeneres Stück Strand am nördlichen Ende des Dorfes. Der Abschnitt ist weniger gepflegt, als ich es von den touristischen Ecken kannte – Algen und Seegras wurden von den Wellen an den Strand gespült und anstelle der luxuriösen Hotels direkt am Meer stehen brüchige, kleinere Hütten. In einem zerfallenen Haus wohnte mal ein wichtiger Politiker, George zeigt auf eine der Hütten hinter uns und wirkt stolz als er mir davon erzählt. Vor uns knien mehrere Frauen im seichten Wasser und ernten Seegras. George erklärt mir, dass der Seegrasanbau für viele Menschen auf der Insel die einzige Möglichkeit ist, Geld zu verdienen. Vorsichtig laufe ich ihm durch das warme Wasser hinterher und achte dabei penibel genau darauf meine Füße in seine Fußspuren zu setzen. Man muss extrem auf die Seeigel aufpassen, werde ich gewarnt. Er nimmt zwei verschiedene Seeigel auf seine Hände und zeigt mir den Unterschied: Nur eine von beiden Arten ist giftig, die andere zwar schmerzhaft, sonst aber relativ harmlos. George scheint ein paar der Frauen zu kennen, die im Wasser knien und unterhält sich kurz mit ihnen, während sie mir demonstrieren, wie man das Seegras optimal erntet.

Nur ein paar Meter weiter, auf unserem Weg vom Strand ins Innere des Dorfes, treffen wir auf zwei alte Frauen mit tiefen Falten und weißen Haaren, die vor ihrem Haus im Schatten sitzen. Auch sie begrüßt George freundlich. Aus den Fasern von Kokosnüssen stellen sie Seile her, die vor allem für den Seegrasanbau an der Küste verwendet werden. Gekonnt drehen sie die Fasern zwischen ihren Handflächen und kordeln im Anschluss die hergestellten Fäden zu Seilen. Dabei beschreiben sie geduldig die verschiedenen Arbeitsschritte, angefangen beim Trocknen der Kokosnüsse in der Sonne, bevor sie überhaupt weiterverarbeitet werden können. Ich darf mich auch mal an dem Handwerk versuchen und scheitere vollkommen. Dafür bekomme ich aber ein kleines Fußkettchen aus den Kokosnussfasern- das wahrscheinlich coolste Souvenir überhaupt.

Während wir über den weichen Sand durch schmale Gassen laufen, erzählt mir George von dem Leben auf der Trauminsel. Der Tourismus bringe viel Geld, aber es seien vor allem die Tansanier vom Festland, die davon profitieren. Sie kommen auf die Insel, um in den Hotels zu arbeiten. Einheimische hätten kaum Chancen, da die Bildung auf Sansibar sehr schlecht ist und die meisten kein Englisch sprechen. Und so sind die Verbesserungen durch den Tourismus nur begrenzt. Viele junge Leute sind arbeitslos, selbst die Fischerei bringt nicht mehr viel Geld und auch George träumt wie viele Andere davon eines Tages nach Europa auswandern zu können, zum mindestens für eine Zeit lang. Dies sind auch die Hauptgründe, warum Sansibar eigenständig werden möchte. Fast ohne Pause geht er über und präsentiert mir den ältesten Baum des Dorfes. Er ist ein Treffpunkt im Dorf für Jung und Alt.

Wir laufen weiter über die sandigen Straßen bis George ein paar Freunde trifft. Sie sind begeistert, dass ich mich so sehr für ihr Dorf interessiere und einer von ihnen klettert direkt auf eine Palme hoch und bietet mir eine frische Kokosnuss an. Tatsächlich tragen die meisten von ihnen immer eine Machete mit sich rum. Zusammen erklären sie mir wie man aus Palmenblättern Zäune flechtet, die viele gegen Wind und Sand verwenden, rappen, singen, tanzen und posieren für Fotos. Das Flechten der Palmenblätter liegt mir deutlich besser als das Drehen der Kokosnussfasern zuvor. Es ist ein witziger Nachmittag, bevor mich George wieder zurück in mein Hotel bringt.

Der Kontrast wirkt brutal. Eine schillernd-schöne Traumwelt prallt ungebremst auf das arme Leben in dem Entwicklungsland. Es hinterlässt ein komisches Gefühl. Aber ich bin auch glücklich einen so ehrlichen Einblick in das Leben Sansibars bekommen zu haben und ich bin dankbar für die herzlichen Menschen, die ich kennen lernen durfte und die aufregende Welt, die ich entdecken konnte.

ZUM NACHMACHEN:

Die Tour durch Jambiani ist keine offizielle Tour und kann so nicht gebucht werden. Für eine ähnliche Tour sollte man in den kleinen Läden im Dorf nachfragen oder an der Rezeption des Hotels, eventuell verfügen die über Kontakte.

George und ich hatten uns vor der Tour auf umgerechnet 10€ geeinigt und ich habe ihm weitere 5€ Trinkgeld gegeben. Die Tour war sehr gut und ich hätte ihm im Nachhinein gerne mehr gegeben.

Auf der Tour sind wir zu Fuß durch das Dorf gelaufen, deswegen empfehle ich bequeme Schuhe. Aufgrund der tropischen Sonne sind Wasser, Sonnencreme und Sonnenhut auf Sansibar praktisch ein Muss, man hat allerdings immer wieder die Möglichkeit Wasser zu kaufen und läuft die meiste Zeit im Schatten. Wichtig sind vor allem aber Offenheit und ein ehrliches Interesse an einer so anderen Kultur.

Alternativ hat George mir angeboten Fahrräder auszuleihen und zu einer Höhle etwas außerhalb des Dorfes zu fahren – sicherlich auch eine interessante Tour.

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Ich bin ein Großstadthippie, tanze mit Blumen in den Haaren zu Techno und trage Birkenstock zu Designerkleidern. Ich liebe das Reisen und fast genauso sehr liebe ich die Fotografie.

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