vom Trip nach San Diego, einmal ein Flugzeug fliegen und der Border Patrol

Zu unserem Schüleraustauschprogramm gehört jedes Jahr auch ein „family weekend“ – zwei oder drei Tage in denen kein Programm von der Schule geplant ist und man Zeit mit seiner Gastfamilie verbringen soll. Idealerweise planen die dann auch ein unvergessliches mega Wochenende für dich. Während die Hälfte unserer Gruppe also mit ihren Familien nach Los Angeles nach Disneyworld gefahren sind, hat meine Familie einen Trip nach San Diego ins Sea World geplant.

Freitag Nachmittag hat mein Gastvater, Kyle und mich dann zu einem kleinen Flughafen in der Nähe des Hauses gefahren, wo auch schon unser Pilot Brian und eine Ein-Propeller-Privatmaschine auf uns gewartet haben. Wow! Das Flugzeug war sehr klein und auch nicht mehr im neusten Zustand, wodurch der Start sehr holprig wurde. Doch einmal in der Luft und über der Wüste, durfte ich fliegen. Brian hat mir alles genau erklärt: am Horizont orientieren (die Anzeige im Cockpit war kaputt), den Hebel zu mir und von mir weg drücken um höher oder tiefer zu fliegen und für einen Kurswechsel einfach lenken. Mein wahrscheinlich einzigartigstes Erlebnis aus den USA, auch wenn mein Gastschüler meine Flugkünste nicht ganz so großartig fand. Er hat hinten komplett still und grün im Gesicht verzweifelt versucht einzuschlafen. Das mit dem Kurswechsel hat auch noch nicht so ganz perfekt funktioniert: man sollte den Hebel nicht unbedingt sofort komplett rumreißen, das Flugzeug legt sich nämlich dann in eine gefährlich schiefe Seitenlage. Ups.

In San Diego selbst hatten wir dann ein 4* Hotel mit fantastischer Poolanlage, wie man sie aus den Reisemagazinen kennt. Am Abend sind wir dann ins „Zentrum“ um dort Sushi essen zu gehen – nicht vergleichbar mit Deutschland – und anschließend noch ein kleiner Strandspaziergang am Pazifik. Am nächsten Morgen ging’s dann in aller Früh direkt zu Sea World. Interessant, schön anzuschauen, aber ich muss auf keinen Fall nochmal hin. Mittendrin ist dann auch noch der Himmel aufgerissen und wir sind alle mit Krebsroter Haut wieder nach Phoenix zurück gekommen. 😀

Die Rückfahrt war dann auch ein Highlight für sich. Sechs Stunden von San Diego nach Phoenix an der mexikanischen Grenze entlang. Der Highway war leer und alle Ewigkeit kam eine kleine Ansammlung von Imbissen, sonst so wie man es sich auch vorstellt. Irgendwann nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir dann an die Grenze von Kalifornien nach Arizona, wo schon eine Border Patrol auf uns wartete: „Alles Amerikaner? Woher kommen sie? Wohin fahren sie?“. „Nein, wir haben eine deutsche Austauschschülerin dabei.“ „Reisepass bitte!“ Alle drehen sich zu mir um – mein Reisepass lag einsam und verlassen in meinem Koffer in Phoenix. Ein paar Stunden entfernt von hier. Ich stotterte irgendwas von wegen, dass ich ihn nicht dabei habe, in meinem übermüdeten Schulenglisch. Zwei weitere Polizisten kommen und leuchten mir mit ihren grellen Taschenlampen direkt ins Gesicht. Gut, ich war wach. Kurze Besprechung der Polizisten, die Frage, ob nicht irgendwer den Pass „kurz“ vorbei bringen könnte, und dann die Entscheidung: blond, blaue Augen, ungebräunte weiße Haut – ich bin keine illegal zugewanderte Mexikanerin, wir dürfen weiterfahren. Glück gehabt. Es hätte auch anders ausgehen können und wir hätten warten müssen bis mein Gastvater den Pass mit dem Auto vorbeigebracht hätte. Das hätte Stunden gedauert und vermutlich wären wir nicht vor dem nächsten Morgen nach Hause gekommen, zudem er selbst nicht in Phoenix war. Die restliche Strecke verlief dann relativ ruhig bis wir nicht mehr weit von unserem Ziel an eine Straßensperre kommen – Umleitung. Nächste Tankstelle in x-Meilen, Tank fast leer, kein Handyempfang, verlassen, mitten durch die Wüste durch und auch wenn die Straße an sich 100% gerade war, ging es durchgehen ein-zwei-Meter Hügel hoch und wieder runter. Links konnte man in 100 km Entfernung schon die Lichter der Stadt sehen -wahnsinns Anblick und unglaublich, dass das noch so weit entfernt sein sollte, es hat gewirkt als wären das keine 100 m mehr. Also weiter auf der Straße entlang, Schlafen war jetzt unmöglich und die Tankanzeige befand sich schon fast am unteren Ende des roten Bereiches. Irgendwann kamen dann schon die Lichter der nächsten Stadt, keine 5 km mehr und es sah so aus als würden wir es noch schaffen – die letzten Meter sind wir in die Tankstelle gerollt. Von da an war es nicht mehr weit bis nach Hause. Endlich wieder in Phoenix.

2 Comments

  • Du schreibst wundervoll, und die Bilder erst! Ich war auch zum Austausch in den USA, in Virginia, New Port News. Eine einzigartige Erfahrung, die den Horizont mächtig erweitert (den geistigen). Schreib weiter so wundervoll und mach diese herrlichen Bilder!
    LG
    Petra

    • Hallo Petra, vielen Dank 😀 Ich muss zugeben, auf meine Bilder bin ich mächtig stolz und über Komplimente zu meinem Schreibstil freue ich mich sogar fast noch mehr. Ich kann dir nur zustimmen, so ein Austausch ist etwas ganz besonderes und großartiges, eine einzigartige Erfahrung, wie du so schön sagst.

      Liebe Grüße, Iris

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