Sydney – Traumstadt und Lebensgefühl am anderen Ende der Welt

Ich sitze im Zug auf dem Weg zur Uni. Zum ersten Mal werde ich den Campus sehen, wo ich die nächsten zwei Semester studiere. Ich bin aufgeregt. So richtig aufgeregt. Was wird alles auf mich zukommen? Wen werde ich kennen lernen? Sind die Prüfungen schwer? Werde ich nachher meinen Master in der Tasche haben? Haben sich all die Mühen gelohnt?
Aber nicht nur deshalb bin ich aufgeregt. Denn gerade fahre ich auf die Brücke, vorbei an den beiden mächtigen, granitverkleideten Pfeilern, die 89 Meter über dem Meeresspiegel in die Höhe ragen. „Alter, du bist auf der Brücke!“ sage ich zu mir selbst. Mein Puls wird schneller, ein Schauer jagt mir über den Rücken, ich kriege Gänsehaut. So oft habe ich in den letzten sechs Monaten an diesen Moment gedacht und ihn mir ausgemalt. So oft habe ich mich gefragt, wie es wohl sein wird. Ich schaue nach rechts aus dem Fenster und kann es kaum glauben, dass ich wirklich hier bin. Vor mir sehe ich die Spitzen der weltbekannten Oper. Ich bin in Sydney. Endlich!

Das ist nun über sieben Jahre her. Ende Januar 2010 saß ich in diesem Zug und war von der Town Hall aus auf dem Weg zur Macquarie University. Seitdem ist meine Beziehung zu dieser Stadt, zu diesem Land, noch viel stärker geworden. Immer wieder will und muss ich dorthin zurück, in meine zweite Heimat. Nichts übt eine so starke Anziehungskraft auf mich aus, wie Sydney, die größte Stadt Australiens. Und ich kann voller Stolz behaupten, dass ich dort seit meinem Masterstudium eine zweite Familie habe. Jene Menschen, bei denen ich fast zehn Monate gelebt habe. Die mich immer mit zum Einkaufen genommen haben, mit denen ich gegessen und Filme geschaut habe, die mich auf einen Kaffee mit in die Stadt nahmen, auf deren 4-jährigen Sohn ich nachts aufgepasst habe und bei denen es sich nicht anfühlt, als wäre ich im Urlaub, sondern wie nach Hause kommen nach langer Zeit.

Zweite Heimat Sydney

Deshalb will ich euch jetzt auch nicht die ganzen touristischen Orte beschreiben, die in jedem Reiseführer beschrieben werden – zum Beispiel die Oper, die Harbour Bridge, Circular Quay oder Bondi Beach. Natürlich solltet ihr das auf keinen Fall verpassen, weil es wirklich sehenswert ist. Aber es gibt auch ein paar „verstecktere“ Orte. Hier meine liebsten …

Chinatown – ein wenig Fernost mitten im „Westen“

Ok, Australien liegt nicht im Westen. Es ist aber westlich geprägt. Wobei man das bei Sydney auch nicht wirklich sagen kann, weil sich hier täglich Menschen aus über 60 verschiedenen Ländern begegnen. Und gerade deshalb solltet ihr ein paar Dinge nicht verpassen, wie zum Beispiel die Dixon Street in Chinatown im Ortsteil Haymarket. Gleich am Eingang der Straße auf der linken Seite wird euch vor einem kleinen Fenster eine nie abbrechende Schlange an Menschen auffallen. Hier gibt es die köstlichen Emperor’s Puffs, kleine, frisch gebackene und noch heiße Teigbällchen. Süß und lecker. Müsst ihr probieren. Wer richtig Hunger hat, geht einfach weiter die Straße entlang, bis nach etwa 50 Metern auf der rechten Seite der Dixon House Food Court zu sehen ist. Vergesst alle überirdischen Lokale und geht in die kantinenartige Keller-Fressmeile. Frischeres und günstigeres asiatischen Essen bekommt ihr nirgendwo.
Außer ihr bereitet euch euer Essen im Hostel oder im Appartement selber zu. Dann kauft euch frische Zutaten im Paddy’s Market (einfach über die Hay Street, schon seid ihr da). Neben Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch findet ihr hier auch allerlei günstige Souvenirs wie Shirts, Hoodies, Untersetzer, Postkarten, Schuhe, … Und – der Renner in jedem Jahr – Känguruhoden-Schlüsselanhänger und Kängurukrallen-Rückenkratzer 😀

Einmal durch die Royal Botanic Gardens

Ist zwar schon wieder sehr touristisch, muss aber sein. Außerdem gibt es hier einen Spot, der nicht in jedem Magazin beschrieben wird. Mitten im Grün des botanischen Gartens (ihr müsst leider ein bisschen suchen, aber so groß ist das Gebiet ja auch nicht) gibt es eine Ansammlung Kakadus, die – man glaubt es erst, wenn es passiert – auf euch landen. Und zwar ganz ohne Köder. Stellt euch einfach hin, ihr werdet schnell einen der hübschen Vögel auf der Schulter oder sogar auf dem Kopf sitzen haben 🙂

Weiter geht’s ins Hafenviertel The Rocks

Und zwar direkt am Opernhaus und am Fährhafen Circular Quay vorbei, damit ihr davon noch ein paar schnelle Schnappschüsse aus nächster Nähe machen könnt. Danach findet ihr ziemlich am Anfang des ältesten Viertels The Rocks auch die älteste Kneipe der Stadt. Hier und auch im ganzen kopfsteingepflasterten Viertel kann man die Geschichte der Seefahrer, Soldaten und Hafenarbeiter noch spüren. Kleine, verwinkelte Gassen erzählen von längst vergangenen Tagen. Und alles, was es damals schon gab, könnt ihr jedes Wochenende beim The Rocks Market kaufen. Didgeridoos, handgemalte Bilder der Aborigines, Bumerangs, Nascherein, Kunst von Glasbläsern, hochwertige Schmuckstücke und vieles mehr stehen für das ursprüngliche Australien.

Entdeckt die Stadt vom Wasser aus

Also zurück zum Circular Quay und auf eine der Fähren. Es ist völlig egal, ob ihr zum Manly Beach, zum Taronga Zoo (sehr empfehlenswert) oder zum Mosman Bay fahrt. Vom Wasser aus ist die Stadt nochmal so schön. Ihr könnt zum Beispiel das Opernhaus von vorne betrachten. Es lohnt sich wirklich!

Klettertour auf der Harbour Bridge

Wozu ich unbedingt rate (das würde ich am liebsten jedes Mal machen, wenn ich dort bin), ist der Bridge Climb. Ja, ok. Er ist touristisch und auch verhältnismäßig teuer. Aber glaubt mir: Wenn ihr 134 Meter über dem Meeresspiegel, unter euch ein sechsspuriger Highway, einen 360°-Rundum-Blick habt, dann ist das ein unbeschreibliches Gefühl, das man immer wieder erleben will. Ich habe die Klettertour, die etwa zwei Stunden dauert, in der Dämmerung gemacht. Irre mit den Lichtern der Stadt überall. Übrigens erzählt euch euer Guide eine Menge über die Geschichte Sydneys und den Bau der Brücke in den 1930ern.

Danach entspannt ihr am besten im Park oder in einem Café. Schaut euch das bunte Treiben an. Genießt es. Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, der so vielseitig und interkulturell ist. Habt einen schönen Urlaub 😀

 



Über den Autor: Hi, ich bin Daniel, digitaler Nomade, Weltentdecker und Australier im Herzen. Mit Laptop und Notizbuch tingel ich durch die Welt. Mal sind es längere Reisen, mal auch nur Kurztrips. Ich liebe die Atmosphäre an Bahnhöfen, Flug- und Schiffhäfen, wo unzählige Menschen in alle Richtungen laufen und ganz unterschiedliche Ziele haben. Auf jeder Reise erlebe ich Dinge, von denen ich euch gerne erzählen möchte. Deshalb will ich auch noch so viel wie möglich sehen und erleben. Und um euch damit zu inspirieren, um euch Lust zu machen, um euch einzufangen und euch diese einzigartigen, intensiven Gefühle zu beschreiben, starte ich bis Oktober meinen eigenen Blog. Es ist noch etwas Arbeit, ihr dürft aber schon gespannt sein. Bis dahin hoffe ich, dass ich euch hiermit erfreuen kann 🙂

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