Surfen in J-Bay

Jeffreys Bay ist einer DER Surfer-Hotspots. Puderweicher Sand und dieses geniale Südafrika-Feeling treffen auf perfekte Wellen – zum mindestens zählt Red Bull sie zu den fünf besten der Welt. Immer wieder wird man von Delfinen begleitet und die Stimmung ist so entspannt, wie man sie an einem solchen Surfer-Hotspot erwartet.

Und genau hier stand ich das erste Mal in meinem Leben auf einem Surfbrett und durfte meine erste Welle reiten.

Zurück von unserem ZIP-Lining Abenteuer sind wir direkt zu den Brettern gelaufen und mussten erstmal feststellen, dass außer Luke keiner von uns so wirklich Ahnung vom Surfen hatte.
Aber alles kein Problem: Luke hat uns die am besten passenden Bretter rausgesucht. Sie waren zwar ein ganzes Stück zu groß, aber eben das beste was man bei der kleinen Auswahl im Hostel finden konnte.
In viel zu engen Neoprenanzügen und mit den großen Brettern unterm Arm mussten wir dann noch ein kurzes Stück durch den heißen Sand laufen. Kennt ihr diese Bilder aus Filmen, wenn die Charaktere mit der perfekten Bikinifigur über den Sand joggen, ihr Brett locker unter dem einen Arm? Keine Ahnung wie die das machen. Bei uns muss das alles andere als elegant ausgesehen haben. Und die Bretter waren so groß, dass wir sie eigentlich gar nicht alleine halten konnten und deswegen einfach hinter uns hergezogen haben.

Von Luke haben wir eine kleine Einführung bekommen bevor es endlich ins Wasser ging: Auf die Wellen aufpassen und vor allem darauf, dass wir nicht von unserem eigenen Brett am Kopf getroffen werden, wenn wir versuchen durch die größeren Wellen in den ruhigeren Teil des Wassers zu kommen.
Das funktioniert am besten, indem wir unser Brett loslassen, wenn wir sehen dass eine größere Welle auf uns zukommt und dem Brett sogar noch einen zusätzlichen Schubs nach hinten geben. So wird das Brett vom Wasser Richtung Strand und weg von uns gezogen. Wegschwimmen kann es ja nicht, wegen der Leine am Fuß.
Ein anderes Thema: Das Aufstehen. Luke hat uns erklärt, dass wir nicht unbedingt aufstehen müssen. Wir können auch, sobald wir eine Welle erwischt haben, einfach die Arme ausstrecken und den Oberkörper aufrichten. Oder, für die etwas Mutigeren: Auf dem Brett in die Hocke gehen.

Das ins-Wasser-kommen war definitiv der schwierigste Part. Immer wieder kamen große Wellen, die mich mitgenommen und komplett durchgespült haben. Und immer wieder hat es mein Brett mit voller Wucht nach hinten gezogen und meinen Fuß gleich hinterher.
Bis ich dann wieder aufgestanden war, mir das Salzwasser aus dem Gesicht gewischt habe und mein Board zurück in den Händen hatte, kam auch schon die nächste Welle. Ich hab mein Brett losgelassen, kurz von mir weggestoßen und versucht unter der Welle durchzutauchen. Ich war nicht schnell genug und wurde von der Welle mit viel Wucht erwischt. Während ich versucht habe stehen zu bleiben, hat es das Board und meinen Fuß nach hinten gezogen und ich bin letztendlich doch von dem Wasser durchgewirbelt worden wie in einer wilden Achterbahn. Wieder und wieder und wieder.
Aber irgendwann habe auch ich es durch die Todeszone geschafft und bin im ruhigeren Teil angekommen. Luke hat schon auf mich gewartet, hat mir auf mein Brett geholfen und erklärt, dass wenn er das Zeichen gibt, ich zum Paddeln anfangen muss.

Ich hatte Glück und musste nicht lange warten. Ich habe mit den Armen zum Rudern angefangen, erst ein wenig hilflos und dann sehr schnell mit stärkeren Zügen. Der Moment war perfekt und ich habe meine erste Welle erwischt.
Natürlich habe ich mich noch nicht getraut aufzustehen, stattdessen habe ich die einfachste Variante gewählt, bei der ich nur meine Arme aufstellen musste. Ob man das jetzt schon als Surfen zählen kann? Ich weiß es nicht.
Ich hatte die Welle aber im richtigen Moment erwischt und sie hat mich und mein Brett immer schneller Richtung Strand getragen. Ich habe diesen Flow gespürt. Es war großartig und alle Mühen wert!

Ich bin sofort wieder ins Wasser, voller Euphorie. Und habe natürlich wieder ewig gebraucht, um durch die Wellen-Todeszone durchzukommen. Immer wieder wurde ich durchgespült, untergetaucht und zurück zum Strand geschwemmt. Es war ein verdammt harter Kampf, härter als bei meinem ersten Versuch.
Aber ich habe es wieder geschafft. Und wieder hatte ich das Glück nicht lange warten zu müssen. Luke gibt mir das Zeichen, ich fange an zu paddeln und erwische die Welle ein zweites Mal im perfekten Moment.
Dieser Flow ist großartig! Ich bin begeistert!

Ich versuche es ein drittes Mal, die Wellen sind größer und der Kampf noch härter. Oder vielleicht bin ich einfach nur schon so erschöpft? Das kann natürlich auch sein. Ich brauche deutlich länger, länger als das erste und das zweite Mal zusammen und spüre wie meine Kräfte immer weiter nachlassen. Erst das ZIP-Lining und die Wanderung, dann das Surfen, die heißen Temperaturen und der viel zu enge Neoprenanzug. Aber egal, ich reiß mich zusammen und schaffe es doch tatsächlich ein drittes Mal durch meine persönliche Wellen-Todeszone. Ich bin wieder im ruhigen Bereich angekommen.
Diesmal habe ich jedoch nicht so viel Glück. Ich warte und warte und warte und es mag einfach keine Welle kommen.
Da die Bretter langsam wieder zurück gegeben werden mussten und meine Kräfte sowieso am Ende waren, bin ich zurück zum Strand gepaddelt. Ein wenig traurig, zugegeben. Zu gerne hätte ich dieses tolle Gefühl noch mal erleben wollen.

Auch wenn ich nicht wirklich richtig gesurft bin, irgendwie bin ich es doch. Ich habe dieses ganz besondere Gefühl erlebt und für mich persönlich zählt das. Aber keine Frage, ich möchte wieder zurück aufs Wasser. Ich möchte mehr!

 

ZUM NACHMACHEN:

Die Bretter haben wir uns an der Rezeption im „Island Vibe Backpacker“ ausgeliehen. Ich weiß leider nicht mehr, wie viel uns das gekostet hat, aber teuer war es wirklich nicht. Die Neoprenanzüge kann man auch gegen einen kleinen Aufpreis ausleihen. Zur Sicherheit muss man eine Kaution hinterlegen.

Was die Rückgabezeiten angeht: Wirklich streng ist man da nicht. Wir sind eine gute halbe Stunde zu spät gekommen und das war überhaupt kein Problem, wir mussten auch nicht draufzahlen.

Vom Hostel aus ist es zum Surferspot nicht weit zu laufen. Es ist zwar ein wenig anstrengend durch den Sand, aber eigentlich kein Problem.

Ganz ohne Lehrer würde ich als blutiger Anfänger nicht in J-Bay ins Wasser gehen. Wir hatten Luke, ohne ihn wäre das mit Sicherheit kein so tolles Erlebnis gewesen.

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