Slow Travel – wider den To-Do-Listen?

Auf ihrem Blog 1thingtodo erklären Marc und John in dem Artikel „Slow Travel – wider den To-Do-Listen!“ was Slow Travel eigentlich überhaupt ist und rufen zu einer Blogparade auf.

Ich denke Slow Travel ist aber nicht nur einfach das langsame Reisen und das viel-Zeit-an-einem-Ort-verbringen, sondern das bewusste wahrnehmen eines Ortes und seiner Leute. Von diesen besonderen Reisemomenten von denen die Beiden sprechen hab ich auch eine Menge und die meisten sind sogar bei irgendwelchen Sehenswürdigkeiten entstanden, die garantiert auf jeder To-Do-Liste zu finden sind:

Vor 1 Jahr war ich das erste Mal ganz oben auf dem Eiffelturm. Zusammen mit meiner Cousine und meiner Schwester bin ich stundenlang zwischen Touristenmassen gestanden bis wir dann endlich das Ticket für den Aufzug nach ganz oben bekommen haben. Typisch touristisch also! Dieses Kribbeln im Bauch als wir mit dem Aufzug zur Spitze gefahren sind und alles um uns rum immer kleiner geworden ist, die große Zufriedenheit bei dem grandiosen Ausblick von oben und das Ankämpfen gegen den starken Wind. All das hat es für mich zu einem „1 thing to do“ gemacht, wie die Beiden jetzt sagen würden. Und dafür musste ich mich nicht einmal verlaufen oder falsch abbiegen. 

Masada – auch ein Touristenort auf To-Do-Listen. Doch auch hier hatte ich so einen besonderen Reisemoment. Um 3 Uhr morgend sind wir vom Hostel aus losgefahren, so dass wir früh genug dort waren um noch vor Sonnenaufgang die 340 Höhenmeter zu schaffen. Die ersten Meter waren stockfinster! Absolut dunkel, mit Handytaschenlampen haben wir uns den Weg geleuchtet und sind trotzdem über jeden Stein gestolpert. Langsam wurde es dann heller, doch damit auch heißer und somit anstrengender. Wasser hatten wir alle natürlich nicht genug dabei und um es kleinen Menschen wie mir noch schwerer zu machen, waren die Stufen meist recht groß. Wenn man zwischendurch aber immer wieder stehen geblieben ist, um wieder ein bisschen Luft zu schnappen, hatte man einen unglaublichen Ausblick über das Tote Meer nach Jordanien und auf die aufgehende Sonne, die alles in noch tiefere rot-orange Töne getaucht hat. Der Weg wurde immer steiler, die Sonne immer heißer und meine Kondition war noch nie die beste, die letzten Meter waren eine Herausforderung. Doch irgendwann bin ich mit hochrotem Kopf oben angekommen, habe mich auf die Mauer gesetzt und den Sonnenaufgang angeschaut. Touristenort, aber absoluter Glücksmoment!

Zwar schon etwas länger her, doch auch bei meinem Trip nach San Francisco hatte ich solche Glücksmomente an Touristenspots und 10-Things-To-Do Plätzen. Gleich nachdem ich gelandet bin, sind wir erst Frühstücken gegangen und dann mit dem Auto über die Golden Gate Bridge gefahren, dann an einen kleinen Aussichtspunkt für den perfekten Blick über die Brücke hinweg auf die Stadt. Und genau dort stand ich dann, hab mir die Brücke angeschaut, die Häuser dahinter und hab diese amerikanische Freiheit gefühlt von der man immer hört. Für mich definitiv einer meiner schönsten Reisemomente. 

Ich denke also, dass es nicht darauf ankommt wie schnell man unterwegs ist oder was man sich anschaut und ob man die berühmten 10-Things-To-Do Plätze meidet oder nicht, sondern es kommt viel mehr darauf an wie man es wahrnimmt, ob man den Ort bewusst lebt oder einfach nur an sich vorbeiziehen lässt. An der Golden Gate Bridge hätte man auch einfach nur ein Foto machen können, aber ich habe diesen Moment gelebt, ihn bewusst wahrgenommen. Allerdings habe auch ich schon die Entscheidung getroffen absichtlich nicht den Listen und Reiseführerern zu folgen, stattdessen einfach durch Straßen und Gassen zu laufen und mich überraschen lassen was mich erwartet:

In Amsterdam habe ich so eine wunderbare kleine Kinokneipe entdeckt, Preise: nicht mal 2 € für ein Getränk. Oder ich habe einen Laden gefunden mit all den Sachen die ich liebe: Schallplatten, Retrostil Kameras, Weltkarten, … Ein anderes Mal hab ich mein bisher bestes Maccaron gegessen. In Italien sind wir mit den Fahrrädern zu einem Naturstrand gefahren an dem wir dann aus Treibholz und großen Tüchern unseren eigenen Pavilion bauen konnten. Und am Abend hat an der Promenade ein kleines Fischerboot angelegt aus dem dann panierte Meeresfrüchte verkauft wurden – und zwar die absolut besten überhaupt. Und in Marrakesch hat uns unser Kamel-Tour-Führer von seinem Traum erzählt mal einen eigenen Kamelhof zu besitzen und erklärt was man dazu alles wissen muss. 

Slow Travel ist für mich also nicht das meiden von Sehenswürdigkeiten und das lange an einem Ort bleiben, sondern einfach die Art und Weise wie man die Dinge um einen rum wahrnimmt. Denn wenn man blind durch die Gegend läuft verpasst man genau das worauf Slow Travel eigentlich hinaus will: die vielen tollen kleinen Dinge, die man überall entdecken kann, das großartige Gefühl, das man oft auf Reisen hat, die tollen Geschichten, die Menschen erzählen können und das sich einfach mal selbst bewusst werden. All diese Dinge kann man auch auf einer kurzen Reise erleben. Und die To-Do Listen anderer sind doch auch irgendwie nur durch derer Reisemomente entstanden.

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