Serbische Landidylle

serbische Landidylle

Wenn das Großstadtgebiet Belgrad endet verwandeln sich die breiten Straßen der Autobahn in unausgebaute Landstraßen mit Schlaglöchern, die großen grauen Betonbauten weichen grünen Wiesen und Wäldern und unfertigen Familienhäusern. Da wo Belgrad aufhört, beginnt das ewige Nichts.

Die Straße führt durch immer die selben Landschaftsbilder, vorbei an verlassenen Dörfern und Häusern. Das Leben außerhalb von Belgrad ist anders, das merkt man sofort. Nichts erinnert mehr an die Veränderung, die in Belgrad überall zu spüren ist oder an den starken Willen wieder dazuzugehören, sogar die Lebenslust scheint ein wenig verschwunden zu sein. Wenn man Belgrad verlässt, hat man das Gefühl in der Zeit zurück zu reisen.

In unserem Dorf wirbelt roter Staub durch die Luft, die Temperaturen erreichen hier schon Ende Mai über 40°C im Schatten, alles wirkt irgendwie langsamer, gefühlt ist man noch viel weiter weg von der großen Stadt als nur die eine Stunde Autofahrt, die einen von Belgrad trennt.

Für den besonderen Besuch aus Deutschland wurde Fleisch beim Bauern bestellt. Ein paar Schotter-Forstwege weiter, einsam auf einem Hügel steht eine schon ziemlich alte Scheune neben einem von Efeu überwachsenen Haus. Hier stinkt es abartig, in großen Kisten stehen die Gedärme in der Sonne und gammeln vor sich hin, alles wirkt ungepflegt. Als Stadtmensch fühle ich mich absolut nicht wohl. Der Bauernhof hier ist etwas besonderes, wurde mir erklärt, denn nur hier gibt es den einzigen speziellen Holzofen, in dem das Tier im Ganzen gebraten werden kann – aufgespießt auf einen Holzstock und befestigt mit alten rostigen Nägeln wird das Tier 24h in eben genau diesen Ofen gesteckt.

Auf einer Werkbank wird Plastikfolie ausgerollt, das Schwein und das Lamm werden aus dem Ofen geholt und mit rostigem Werkzeug zerlegt. In Gedanken hoffe ich, dass ich all meine Impfungen aufgefrischt habe. Nett sieht dieser Vorgang nicht aus.

So eckelerregend der Bauernhof auch sein mag, das Fleisch sieht wunderbar aus: knusprige Haut in den schönsten gold-braun Tönen, die ich je gesehen habe. Zart, absolut weich und kaum Fett. Mindestens genauso gut hat es auch geschmeckt, als wir in großer Runde in dem Garten eines dieser irgendwie unfertigen Häuser im Schatten saßen. Dazu gab es eine Art Fladenbrot und Tomatensalat mit den Lauchzwiebeln, die in Serbien typischerweise im Ganzen gegessen werden.

Hier am Land sieht man die Armut, die in Belgrad immer weiter verschwindet, noch überall und während sich Belgrad mit dieser rasenden Geschwindigkeit verändert, bleibt die Zeit hier fast stehen, das Leben ist einfach. Der Trip aufs Land war interessant, aber ohne das Highlight „Essen“ wäre er vermutlich ziemlich langweilig gewesen.

2 Comments

Kommentar verfassen