Nazaré – wo typisch portugiesisch auf den Atlantik trifft

Große Wellen brechen kurz vor dem Strand, das Wasser spritzt mit voller Wucht in die Höhe, der Sand unter den Füße ist weich. Am Ende der Saison, wenn nur noch wenige Urlauber da sind und die Wellen langsam immer größer werden wirkt der Strand aufregend und doch locker, läd zum Entspannen ein und zum zur Ruhe Kommen.

Der Strand endet abrupt, wenn sich eine steile Felswand mehrere hundert Meter nach oben erhebt. Hier endet auch die Strandpromenade, die durchgehend lebendig ist. Kleine Läden, deren Stände bis weit in den Weg reichen, alte Frauen in ihren traditionellen Kleidern, die unter bunten Sonnenschirmen das Treiben beobachten oder in aller Ruhe stricken. Der Duft von gebratenen Kastanien, der einem von irgendwo entgegen kommt, Urlauber mit breiten Grinsen in den Gesichtern, begeistert von all den Souvenirshops, dem Ausblick auf das Meer und dem Rauschen der Wellen. Kleine Kinder, deren Augen strahlen, wenn sie ihr Eis mit extra Streuseln in den Händen halten. Hier und da ein kleiner Kiosk mit diesen unwiderstehlich leckeren portugiesischen Süßspeisen.

Die Felswand, an der Nazaré so abrupt endet, zieht sich bis weit ins Meer vor. An ihrer Spitze steht ein kleiner Leuchtturm, irgendwie romantisch wirkt er, während er dem wilden Atlantik in den rauen Herbst und Wintermonaten stand hält – bis zu 30 m hoch können die Wellen hier werden. Ein paar rutschige, steile Treppenstufen auf der rechten Seite führen zu einem Balkon. Von hier aus lassen sich die Wellen am besten beobachten, wenn sie mit aller Kraft gegen die Felsbrocken peitschen und die Gischt bis weit nach oben spritzt. Ein echter Geheimtipp!

Nazaré liegt knapp 100 km nördlich von Lissabon, unweit von Perniche. Die kleine Stadt ist vor allem durch die Monsterwellen bekannt, die man hier im Herbst bewundern kann und natürlich den Big-Wave-Sufern – denn in Nazaré wurde die bisher größte Welle gesurft. Ein langer, breiter Strand bietet genügend Platz zum Erholen und Sonnen an, kleine Shops sorgen dafür, dass einem nicht langweilig wird und tolle Restaurants laden zum Essen ein.

Eines davon ist Maria do Mar. Versteckt in einer Seitengasse am hinteren Ende der Stadt lockt Maria do Mar mit frischen Fischgerichten und traditioneller Küche. Die Stimmung ist familiär, portugiesisch entspannt und spätestens wenn Maria anfängt zu melancholischem Fado durch das Lokal zu tänzeln, weiß man, dass man richtig ist. Das Essen ist natürlich auch gut und die Preise wirklich bezahlbar.

Von hier aus ist es auch nicht mehr weit zu dem Aufzug, den man von fast überall in der Stadt aus sehen kann. 2,50 € kostet eine Fahrt, alternativ führen nur ein Stück weiter Treppen nach oben, die lange nicht so schwierig sind, wie sie auf den ersten Blick vielleicht aussehen. Oben erwartet einen ein fantastischer Ausblick auf den anderen Teil Nazarés, den Strand und den Atlantik. Auf einem großen Platz verkaufen Frauen, wieder in diesen bunten, traditionellen Kleidern, Nüsse und getrocknete Früchte, Stände bieten dicke, für die Region typische Pullis an und eine Kirche überrascht mit einem unerwartet prachtvollen Innenraum.

Von dem Platz aus verläuft eine schmale Straße an den Klippen entlang zum Leuchtturm und bietet dabei immer wieder beeindruckende Fotospots, besonders bei Sonnenuntergang, wenn alles in diesem Rotton erstrahlt und das Wasser glitzert oder in der Dämmerung die Lichter der Stadt erleuchten.

Nazaré ist eine kleine sommerlich ausgeglichene Stadt in der die typisch portugiesische Lebensweise auf den Atlantik trifft. Die Entspanntheit, die eigentlich überall in Portugal so intensiv zu spüren ist, die Leichtigkeit und die Lebensfreude, kombiniert mit dem rauen Leben an einem so kraftvollen Ozean. In den Herbstmonaten, wenn die großen Touristenströme vom Sommer weg sind, erwarten einen hier Monsterwellen und atemberaubende Stunts von lebensmüden Big-Wave-Surfern. Nazaré ist einfach und doch genial.

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