mit dem Taxiboot durch Bangkok

Die Taxiboote von Bangkok sind flache, breite Boote mit orangen Plastikstühlen und offenen Fenstern, die weder besonders neu, noch besonders sicher aussehen. Hinten weht eine farbige Flagge, die anzeigt welche Linie gefahren wird. Wenn man von einem dieser spröden Betonstege über die Brücke zu der schwimmenden Insel läuft, an die das Boot anlegt, kann man sich kaum vorstellen, dass in derselben Stadt, nicht weit weg, ein hochmoderner Skytrain durch einen Hochhausdschungel fährt.

Der Beton der Stege hat überall Risse und einen Blick auf das Fundament sollte man definitiv meiden, auch wenn man nicht sicherheitsvernarrt ist. Entweder die Stützen sind kurz davor abzubrechen oder sie sind es schon und liegen jetzt irgendwie schräg unter dem Steg. Die schwimmende Insel, an der das Boot anlegt, sieht an sich gar nicht so schlimm aus, sie ist auf beiden Seiten an Stützen im Wasser befestigt, um nicht davon zu schwimmen. Schon die kleinsten Wellen lösen eine Art Erdbeben aus und wenn eines der Schiffe anlegt, kann man trotz Festhalten kaum mehr stehen.

An den Haltestellen ist auch ein Plan zu finden, der die Strecken der jeweiligen Farben zeigt und die dazugehörigen Preise, zwischen 10 und 20 BHT zahlt man für eine Fahrt, dabei ist unwichtig wie viele Stationen. Einen Fahrplan mit festen Zeiten, so wie wir ihn aus Deutschland kennen, gibt es nicht.

Zum Anlegen fährt das Boot nah an der schwimmenden Insel vorbei, jedoch ohne deutlich langsamer zu werden. Ein Angestellter, der hinten bei dem „Eingang“ steht, befestigt ein Tau auf der Insel, wodurch das Boot dann mit voller Wucht zurück gezogen wird und gegen die silberne Insel kracht. Das fühlt sich dabei auf Insel und Boot relativ gleich schlimm an, das Herz bleibt erst mal kurz stehen und man wartet darauf, dass das Boot zu sinken beginnt. Wie durch ein Wunder tut es das nicht.

Ab und zu kann es auch passieren, dass der Angestellte den perfekten Moment verpasst, um das Boot an der Inseln fest zu binden, und es einfach an der Haltestelle vorbei fährt. Dann wird der Rückwärtsgang eingelegt und ein neuer Versuch gestartet. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es mit derselben vollen Wucht gegen eine dieser Stützen im Wasser knallt, oder gegen die Insel selbst, oder auch gleich gegen beides. Dass es bei dem Stoß keine Verletzten gab, grenzt an göttliches Glück, aber das scheint generell auf der Seite der Taxiboot-Kapitäne zu sein.

Der Einstieg kann manchmal sehr leicht sein: sobald die Insel nicht mehr ganz so stark wackelt macht man einfach einen großen Schritt auf das Boot, helfende Hände findet man eigentlich immer. Schwieriger wird es dann, wenn zwischen der Insel und dem Boot eine gefühlte Schlucht liegt, dann kann es schon mal passieren, dass man einen kraftvollen Sprung wagen muss.

Sobald das Schiff losfährt wird es jedoch wieder angenehmer. Bei großem Glück findet man einen Sitzplatz, der dann auch sehr zu empfehlen ist, bei nicht ganz so großem Glück bleibt man einfach in dem Durchgang von dem hinteren Teil zu den Sitzplätzen stehen und hält sich irgendwo fest. Eine Frau in einem orangen Hemd mit „Klapperbox“ sammelt direkt auf dem Boot das Geld für die Fahrt ein, an manchen Haltestellen kann man das Ticket aber auch schon vorher kaufen. Wenn man das große Glück hatte und sich einen der orangen Plastikstühle sichern konnte, genießt man den erfischenden Fahrtwind und die kühlenden Wasserspritzer. Eigentlich gibt es im vorderen Teil des Bootes einen Spritzschutz, doch der wird meistens von irgendeinem nach unten gedrückt.

Zum mindestens bis zur nächsten Anlegestelle hat man die Möglichkeit sich zu entspannen und sich von einem anstrengenden Tag im schmutzigen Bangkok zu erholen, ein wenig frischen Wind auf seiner Haut zu spüren und eine so fantastische und vielfältige Stadt wie Bangkok auch mal aus einer anderen Perspektive zu genießen.

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