die Museumsstadt Kotor

Kirchendächer in Kotor

Kotor ist das überschaubare Städtchen, das der Bucht von Kotor ihren Namen gibt. Besonders ist es durch die mit Weltkulturerbe ausgezeichnete Altstadt und der gut erhaltenen Stadtmauer, die sich steil am Berg hochzieht.

Aber Kotor liegt am hintersten Ende der Bucht, weit weg von der winzigen Öffnung zum Meer, hier erinnert nichts mehr an das Mittelmeer, das eigentlich direkt vor einem liegt. Diese melancholische Atmosphäre, die in der Bucht zu spüren ist, scheint hier am stärksten.

Was Kotor zu bieten hat ist eine wundervoll hergerichtete historische Altstadt, mit all den engen Gassen, die zwischen den schiefen Hauswänden verlaufen, kleinen Läden und fantastischen Ausblicken auf die Berge über einem. Im Gegensatz zu vielen anderen Weltkulturerbestädten, die ich bisher besucht habe, wirkt die Altstadt fast unwirklich perfekt, wie neu gemacht, sogar schon fast steril. Ein anderes Highlight neben der historischen Altstadt ist die Stadtmauer, die sich über 4,5 km am Berg nach oben zieht, begehbar ist und einen tollen Ausblick verspricht.

Doch all diese „Besonderheiten“ haben dazu geführt, dass Kotor zu einer echten Touristenstadt geworden ist, zu einer Museumsstadt, in der es kein echtes Leben mehr gibt. Hier gibt es etwas zu sehen und das zieht Besucher an, mit ihnen kommen die vielen Souvenirshops, die Hotels und die Restaurants und Cafés, die ihre Preise entsprechend anpassen. Nach und nach verschwinden die Einheimischen aus der hübschen kleinen Altstadt und nehmen das Leben mit sich. Sie hinterlassen einen Ort an dem es keine Individualität mehr gibt, keine neuen Ideen und keine Atmosphäre, das was einen Ort ausmacht, was ihn so besonders und einzigartig macht.

Kotor ist langweilig. Hier ist alles an den Tourismus angepasst. Anders als Belgrad will Kotor gefallen und hat dafür seine Persönlichkeit aufgegeben. Stattdessen gehen täglich Kreuzfahrtschiffe vor Anker, hunderte Touristen strömen gleichzeitig in das Zentrum und den meisten von ihnen fällt nicht einmal auf, dass das alles nur eine große Show speziell für sie ist. Eine Museumsstadt eben.

3 Comments

  • So ging es mir auch letzten Sommer. Ich habe meine geplante Zeit in Kotor vorher noch um eine Nacht verlängert, weil mir andere Backpacker erzählt hatten, wie toll es dort ist. Vielleicht ist es anders, wenn nicht alleine reist aber so: Ich habe mich total gelangweilt. Die Altstadt ist super schön, die kann ich aber auch an einem Vormittag schon zur genüge erkunden. Außer zur Festung wandern gibt es auch nicht mehr viel, was man dort machen kann. Ich freu mich gerade, dass ich nicht die einzige bin, die von Kotor so unbeeindruckt ist – alle Menschen, mit denen ich bisher darüber geredet haben waren erstaunlicherweise begeistert.

    • Hallo Anja,

      ich muss zugeben, dass auch ich bisher komischerweise nur Positives gehört habe, dabei habe ich selten eine Stadt mit so wenig Charakter gesehen – und auch zu zweit ist es nicht wirklich aufregender. Freut auch mich, endlich mal eine ähnliche Meinung zu hören.

      Liebe Grüße, Iris

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